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Totenstimmung

Sonor surrend schob sich das Seitenfenster in den Rahmen zurück. Sie hatte genug gesehen. Entschlossen drückte sie den Zigarettenrest in den Aschenbecher. Dann tastete sie mit einer Hand nach dem Messer. Der schmale Stahl auf dem Beifahrersitz war so kalt, dass sie fröstelte.

Zufrieden legte sie die Hand auf das Lenkrad. Es würde ganz leicht sein.

»Keine Chance. Scheiß Regen.« Ecki suchte mit den Augen den düsteren Parkplatz ab.

»Reifenspuren kannste hier wirklich vergessen.« Frank hatte sich neben seinen Freund und Kollegen gestellt. »Nur Matsch.«

»Und jetzt?«

»Das ganze Programm.« Kriminalhauptkommissar Frank Borsch trat einen Schritt zurück unter das Vordach des flachen Anbaus. Dabei stieß er mit den Fersen gegen einen Stapel Bierkästen. Die leeren Weizenbierflaschen schepperten. »Mir ist kalt.«

»Schlechte Laune?« Ecki blies seinen warmen Atem in seine Hände, die er vor seinem Mund zu einem Hohlraum geformt hatte.  

Statt zu antworten, schlug Frank den Kragen seiner Jeansjacke hoch. Der Leiter der Mönchengladbacher Mordkommission sprang drei Schritte bis zu dem kleinen weißen Pavillon, den die Spurensicherung über dem Tatort errichtet hatte.

Der Mann war tot. Das Messer steckte noch in seinem Oberbauch. Sein niederrheinisches Blut hatte sich auf seinem weißen Hemd mit dem niederrheinischen Regen gemischt.

»Ich gehe davon aus, dass die Bauchschlagader glatt durchtrennt wurde.«

Frank hatte keine Lust auf ein Gespräch mit dem Gerichtsmediziner, der bei der Mönchengladbacher Polizei nur als Mad Doc bekannt war und der in seinem weißen Einmaloverall nicht nur heute wie ein Wesen von einem anderen Stern wirkte.

»Hatte eigentlich Konzertkarten.«

Es dauerte einen Augenblick, bis Frank die Bedeutung der Worte begriffen hatte: Mad Doc hatte tatsächlich ein persönliches Wort an ihn gerichtet!

»Konzertkarten?« Frank wollte nicht unhöflich sein.

»Grefrath, Eissporthalle. Schürzenjäger.« Leenders sah den Leiter der Mordkommission herausfordernd an. »Die Band hat eine unglaubliche Art Musik zu machen. Echtes Gänsehaut-Feeling.«

Frank wusste nicht, was schlimmer war: An Leichen herumschnippeln oder die schnulzige Stimme von Peter Steinlechner.

»Schade nur, dass sich die Band auflöst. Von mir aus hätten die Rolling Stones schon längst Schluss machen können. Echt. Aber die Schürzenjäger?«