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Schweineblut

II.

 

»Was haben wir bis jetzt?«

Frank Borsch zuckte mit den Schultern. »Nicht viel, Ecki.«

»Auf die Frau ist geschossen worden.« Michael Eckers tippte mit dem Bleistift zweimal auf seine Aufzeichnungen. »Zweimal.«

»Was sagt Leenders? Ist sie an den Schussverletzungen gestorben?«

»Nein. Zumindest kann man das so nicht sagen.«

»Oh, mein Gott.«

Eckers räusperte sich. »Leenders ist vorläufig der Meinung, dass sie letztlich an dem Gift der Raupen gestorben ist. Ihr Immunsystem hat den Schock nicht verkraftet, den der Wirkstoff ausgelöst hat. Die Menge war einfach zu groß. Ihr Körper hatte mit den schweren Schussverletzungen zu kämpfen. Die Raupen spielen am Ende trotz allem aber nicht die entscheidende Rolle, sie hätte die Schüsse nicht überlebt.«

»Sie war also schon klinisch tot, als?« Carolina Guttat wollte die Frage nicht aussprechen.

»Leenders kann das noch nicht verbindlich sagen.«

Kriminalhauptkommmissar Frank Borsch, Leiter des KK 11, sah die Staatsanwältin an, die sich unbewusst über ihr blondes Haar fuhr. Er ahnte, was in der zweifachen Mutter vorgehen musste.

»Der Feuerwehrmann, der sie gefunden hat, ist immer noch nicht dienstfähig.« Michael Eckers blätterte in seinem ledernen Notizbuch. »Ich werde noch einmal bei ihm anrufen.«

Carolina Guttat konnte sich nur mühsam gegen den erneuten Impuls wehren, die Augen zu schließen und sich auf ihre Bank im Allgäu zu setzen.

Bisher hatte sie sich stark genug gefühlt. Sie hatte schon vor ihrer Elternzeit Dinge sehen müssen, die sie nicht hatte sehen wollen. Trotzdem hatte sie bisher das Gefühl gehabt, nach ihrem Examen die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Ihre Vorfreude und die Kraft waren groß gewesen, als sie vor einem Jahr in ihren Beruf zurückgekehrt war. Das gute Gefühl war sofort wieder da gewesen. Nur Akten zu bearbeiten wäre ihr zu wenig gewesen.

Aber das war nur noch Erinnerung. Carolina Guttat spürte, dass dieser Fall sie an den Rand ihrer Selbstbeherrschung drängen würde.

Die Staatsanwältin griff zu ihrer Kaffeetasse.

»Wer ist diese Frau?«

»Kollege Bremes wühlt sich gerade durch die Vermisstensachen.«

»Wir müssen schneller sein.«

»Klar.« Sie arbeiteten ohnehin unter Hochdruck, dachte Frank Borsch.

»Gibt es verwertbare Spuren auf ihrer Kleidung?«